#Fakestagram: Wie „real“ ist Instagram wirklich? 💭

Scrollt man durch die Instagram-Feeds von Bloggerinnen wie Debi Flügge (@debiflue) oder Leonie Hanne (@ohhcouture), gehen einem viele Gedanken durch den Kopf: Wie kann man nur so perfekt sein? Wie schaffen es die beiden nur, dass jedes ihrer Fotos zu einem einzigartigen Meisterwerk wird? Und wie können dennoch alle Fotos so gut zueinander passen? – Eine Mischung aus Verzweiflung und Verzückung ist wohl das, was bei den meisten auf diese Fragen folgt.

Aber ist das wirklich „real“? Ist unser „wahres“ Leben wirklich genau so perfekt, wie es von Debi oder Leonie auf Instagram dargestellt wird? Wo sind da die Schattenseiten, die Tiefen, die Ecken und Kanten – ich selbst sehe immer nur den Sonnenstrahl, die Höhen und die pure Perfektion. Blendet Instagram also die Realität aus!?

The Pressure Of Perfection

Ich persönlich habe gar keinen wirklichen „Feed“, was unter anderem daher rührt, dass ich schlichtweg nicht die Möglichkeit habe, an so viele unterschiedliche Orte zu reisen, die wie man heute sagen würde, „instagrammable“ sind. Dennoch lege ich bei der Auswahl eines jeden einzelnen Fotos sehr viel Wert auf andere Dinge: Wie ist die Qualität dieses Fotos? Wie sehe ich selbst darauf auf? Und wie wird es wohl meinen Abonnenten gefallen?

Gibt es nur eine einzige Sache die mich stört, in etwa Falten im Hemd oder eine verrutschte Haarsträhne, kann dies dazu führen, dass ich das Foto gar nicht erst poste. Egal wie „perfekt“ der Rest ist, egal welch schöne Erinnerung dieses Foto an ein bestimmtes Erlebnis wäre oder wie aussagekräftig es ist.

Mittlerweile herrscht auf Instagram ein solch fortgeschrittener Perfektionismus, den ich trotz meiner sorgfältigen Vorauswahl, auch noch Wochen nach Posten der jeweiligen Fotos zu spüren bekomme: Selbst an Tagen von Klausuren, an denen ich besser hätte lernen sollen, sitze ich teilweise stundenlang vor meinem Handy und denke mir bei jedem Foto, ob ich es denn nicht doch besser wieder löschen soll.

Immer mehr habe ich das Gefühl, dass Instagram mich kaputt macht, zumal neben dem Druck nach dem „perfekten Feed“ auch noch der der zunehmenden Abonnenten besteht.

Prinzipiell ist es mir zwar egal, wie viele Personen mir folgen, aber da es nun einmal mein größter Traum ist, irgendwann als Blogger erfolgreich zu werden – und das heutzutage leider Gottes nur mit einer gewissen Anzahl an Followern möglich ist – frage ich mich schon, ob das noch klappen wird…?

Personality auf Instagram = 0!

Was mich ebenfalls an Instagram stört, ist, dass es verdammt schwierig ist, seine wahre Persönlichkeit in Form von Basic-Fotos widerzuspiegeln.

So würde ich mich selbst als eine Mischung aus Riccardo Simonetti, Thommy Momsen und der 2010er-„Fleischkleid“-Lady Gaga bezeichnen. Als „Pop-Kultur“-Fanatiker, als jungen, durchgeknallten Mann, der ab und zu komische Geräusche von sich gibt und ständig den Hang zum Exzessiven hat und als Visionär, der nach dem Motto „je schriller, desto besser“ lebt und dieses auch noch außen Tragen möchte.

Würde ich allerdings nur eine einzige Person fragen, ob diese Charaktereigenschaften durch meinen Feed zum Vorschein kommen, müsste ich höchstwahrscheinlich mit einem bitteren „Nein!“ rechnen. Ganz im Gegenteil zur Schule, wo ich des Öfteren auch mal den Satz „Der Junge hat doch ‘nen Schaden!“ zu hören bekomme – einfach weil dort jeder genau weiß, wie ich wirklich bin.

Auch wenn wir es nicht absichtlich tun, erschaffen wir über Instagram ein völlig falsches Bild von uns. Kein Wunder also, dass ich manchmal für eine völlig falsche Person gehalten werde. Schade eigentlich…

Let‘s go #real!

Um auf die anfänglich gestellte Frage zurückzukommen: Wirklich „real“ ist Instagram also nicht, oder?

Für mich ist es stattdessen eine Plattform, auf der jeder versucht, sein Leben so perfekt wie möglich darzustellen, doch dieser Perfektionismus ist in meinen Augen gar nicht notwendig! Ganz im Gegenteil: Er sorgt dafür, dass andere Menschen sich möglicherweise minderwertiger fühlen als andere, weil sie nicht die Möglichkeit haben, nur die „bright sides of life“ zu sehen, sondern eben auch mit menschlichen Problemen zu kämpfen haben.

Auch wenn ich die bestimmt sehr harte Arbeit von Debi und Leonie zutiefst bewundere und sie in ihrem Tun und Handeln keinesfalls einschränken möchte, werde ich höchstwahrscheinlich nie zu einem dieser makellosen Beauty-Blogger werden, sondern genau das posten, was mir gefällt – in Zukunft vielleicht sogar mit noch mehr Falten, verrutschten Haarsträhnen oder Rötungen auf der Haut – denn dann ist Instagram zumindest doch noch ein bisschen „real“!


Und was meint Ihr zu diesem Thema? Verratet es mir auf Instagram @brizziomaraj!

Fotos: © Emanuel Klempa


Was ich hier noch kurz anmerken möchte, ist, dass sich glücklicherweise bereits Gegentrends erkennen lassen: So hat Farina Opoku (@novalanalove), eine meiner Lieblingsbloggerinnen, beispielsweise den Instagram-Account „neverfailedsogood“ gegründet, auf dem sie ausschließlich Fotos von sich postet, die zwar auf den ersten Blick „embarrassing“ erscheinen möchten, doch auf den zweiten Blick genau das zeigen, was ich hier und heute kritisiert habe: Das Leben ist nicht immer perfekt und das muss es auch gar nicht sein! 😉 Thumbs up, Farina! 👏

It's just bad lighting u know…. #neverfailedsogood

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